Frühjahrstagung 2026 in Castell

Am 15.05.2026 trafen sich die Mitglieder der Gesellschaft für Fränkische Geschichte in Castell. Eingeladen hatten zu der Veranstaltung Fürst und Fürstin zu Castell-Castell. Eine Besonderheit in diesem Jahr waren die zu gleicher Zeit stattfindenden Casteller Schlossparktage. Dies bot die Gelegenheit für unsere Mitglieder, angemeldet hatten sich 130 Personen, sich auch dort umzuschauen. Das Zuckerl war das Geschenk der Fürstenfamilie, keinen Eintritt zahlen zu müssen.
In seiner Begrüßung wies der 1. Vorsitzende darauf hin, dass das Haus Castell zu den allerersten Stifterfamilien der Gesellschaft gehörte. Die Verbundenheit des Hauses Castell zeigte sich insbesondere darin, dass zwei Vorsitzende der GffG den Namen Castell-Castell trugen, dazu kommen im Laufe des Bestehens der Gesellschaft vier Schatzmeister aus dem Hause Castell bzw. in enger Verbindung mit diesem. Unsere Buchhaltung wird ebenfalls in Castell durch Franz Schuster, den ehemaligen Leiter der Fürstlich Castell'schen Kanzlei, versorgt. Natürlich befinden sich unsere Konten bei der Castellbank. Baron Pölnitz wies auf Publikationen der Gesellschaft hin, die in Verbindung zum Hause Castell stehen. Schließlich dankte er allen Helfern und erläuterte den weiteren Ablauf der Veranstaltung.



Zeichnung - Dr. Hainlein - der Schlosskirche von Castell, in der sich die Mitglieder trafen.



Die Mitglieder treffen zum Vortrag ein.



Der Kirchenraum ist gut gefüllt.



Baron Pölnitz bei der Begrüßung


Graf zu Dohna beim Vortrag
Das Haus Castell – vom Mittelalter bis in die Gegenwart
Zusammenfassung des Vortrags bei der Frühjahrstagung der GffG in Castell 15. Mai 2026
von Jesko Graf zu Dohna
Die Grafschaft Castell bestand am Ende des 18. Jahrhunderts aus den vier Ämtern: Castell, Rüdenhausen, Burghaslach und dem westlich von Würzburg gelegenen Remlingen, besaß etwa 30 geschlossene Ortschaften und acht Kondominatsorte. Es gab drei Hoch- oder Centgerichte, die Recht über die vier hohen Fälle sprachen, ferner gab es zwei Consistorien, die über die geistlichen und schulischen Aufgaben der über 20 Patronatskirchen wachten. In der Grafschaft lebten zuletzt etwa 10.000 Untertanen, davon waren 83 Prozent evangelisch, 11 Prozent katholisch, und 6 Prozent jüdisch.
Erstmals erwähnt wird ein Robbrath 1057 in einer Würzburger Bischofsurkunde, dessen Sohn oder naher Verwandter sich dann 1091 „Ruopreth de Castello“ nennt. Der Grafentitel ist seit 1202 nachzuweisen und das Rot-Silber gevierte Wappen erscheint erstmals auf dem Siegel einer Urkunde aus dem Jahr 1224. Im 12. und frühen 13. Jahrhundert waren die Grafen und Herren zu Castell unbestritten die maßgebliche Dynastie im Raum zwischen Main und Steigerwald.
Seit dem 13. Jahrhundert kann man durch die erhaltenen Urkunden das „Territorium“ der Grafschaft in Umrissen erkennen. In seinem Kern reichte es damals im Wesentlichen von Gerolzhofen im Norden bis nach Scheinfeld und Marktbreit im Süden, sowie vom westlichen Steigerwaldgebiet im Osten bis nach Würzburg im Westen. Grundlage der Herrschaft waren damals Vogteirechte bzw. die Ortsherrschaft in etwa fünfzig bis sechzig Dörfern, Weilern und auch der Stadt Volkach. Zum Besitz gehörten mehrere Burgen und Schlösser, namentlich die Burgen Castell, die Hallburg und die Vogelsburg an der Mainschleife, Großlangheim, etc., außerdem zahlreiche Kirchenpatronate und Zehntrechte. Besonders prestigeträchtig war die zeitweilige Vogtei über die Benediktinerabtei Münsterschwarzach, die auch als Grablege für die Grafen Castell diente. Der bemerkenswert große Lehenhof ist erstmals 1376 dokumentiert und umfasste praktisch alle Familien des Ritteradels im weiten Umkreis der Grafschaft. Am Hof der Würzburger Bischöfe bekleideten die Grafen zu Castell das Oberschenkenamt. Ab der Mitte des 13. Jh. geraten die Casteller in eine lang anhaltende Krise und verlieren über die Hälfte ihres Besitzes. 1457 wurde die Grafschaft dem Hochstift Würzburg zu Lehen aufgetragen. Im 16. Jh. kann der Niedergang beendet werden, zugleich wird Mitte des Jahrhunderts die Reformation eingeführt.
1657 werden in Castell erstmals Silvaner-Reben angebaut. 1686-1691 ließ Graf Wolfgang Dietrich das neue Schloss errichten. 1774 wurde die heutige Fürstlich Castell’sche Bank gegründet, heute die älteste Bank in Bayern. Nach einer intensiven Reformphase Ende des 18. Jh. fiel dem König von Bayern 1806 ein relativ modernes Land in die Hände. 1901 wurde die Familie in ihren beiden Linien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen in den erblichen bayerischen Fürstenstand erhoben.
Heute besitzt das Haus Castell 400 ha Landwirtschaft, ca. 65 ha Weinberge, ca. 4500 ha Forst und die Fürstlich Castell`sche Bank mit 8 Niederlassungen (Zentrale in Würzburg) und einer Bilanzsumme von 1,3 Mrd €.


Fürst zu Castell-Castell beim Vortrag von Graf zu Dohna



Fürst zu Castell-Castell bei der Begrüßung

Nach dem Vortrag von Graf zu Dohna bestand die Möglichkeit, in kleineren Gruppen den Weinkeller und das Fürstliche Archiv zu besichtigen.


Holzfässer


Edelstahltanks



Holzfass mit Bildnissen der Kinder der Fürstenfamilie



Hier Fürst Ferdinand zu Castell-Castell

Nach den Führungen trafen sich die Besucher zu Kaffee und Kuchen oder nach Belieben auch zu einem Glas Casteller Wein im Schloss.



Schlosshof



Schloss vom Park aus gesehen








Ein Blick auf die Schlossparktage darf nicht fehlen.



Bei der Gesellschaft für Fränkische Geschichte erschienene Veröffentlichungen zum Hause Castell
(über die ISBN Link zum Verlag EDITION WORT&WERT):

Paulus Papius
CHRONIK DER GRAFEN ZU CASTELL
Herausgegeben von Karl Borchardt,
Jesko Graf zu Dohna, Johannes Schellakowsky
und Peter A. Süß
2023. ISBN 978-3-86652-008-0
Jesko Graf zu Dohna,
Die »Jüdischen Konten« der Fürstlich Castell'schen
Credit-Cassen und des Bankhauses Karl Meyer KG.
2. Auflage 2006. ISBN 978-3-86652-045-5.
Jesko Graf zu Dohna (Hg.):
Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen
Erinnerungen.
2014. ISBN 978-3-86652-050-9.

Verweise auf weiterführende Informationen zum Hause Castell:
_Kurt Anderman: Artikel zu Castell (A.,B.,C.)
C. Remlingen, C. Rüdenhausen
Niedersächsische Akademie der Wissenschaften
zu Göttingen

_Castell (Adelsgeschlecht)

Wikipedia



_Grafschaft_Castell

Wikipedia


Fotos: Pölnitz, Morawitzky, Strauß-Morawitzky
Zeichnungen: Dr. Hainlein
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